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Sehenswürdigkeiten - das Stadtbummeln

Die Stadt

Třeboň - das Schlosstor und Haus von Jakob Krčín mit der Exposition Das Schlossaquarium, Foto: Archiv Vydavatelství MCU s.r.o. Wenn wir aus dem Schloss durch das Osttor aufbrechen, geraten wir in der Krčínova Straße, die den Žižka-platz, der bis heute auch als Ziegenplatz nach dessen ursprünglichen Zwecke genannt wird, durchschneidet. Fuhrwerke voll von Stroh und Heu fuhren nämlich her und versorgten die Güter in den Hintertrakten der Stadthäuser, um die gleichfalls wertvolle Fracht zurück in die Felder abzuholen. Noch neben dem Schloss, auf der linken Seite, gibt es ein Haus, das Jakob Krčín selber im 16. Jahrhundert bewohnte. In der Gegenwart befindet sich dort die Exposition Aquarien der Süßwasserfische (April – Oktober von 10.00 – 18.00 Uhr täglich geöffnet, November – Mai von 10.00 – 16.30 Uhr täglich außer Montag und Dienstag geöffnet; Tel.: +420 775 218 182), die zu einer sehr interessanten Unterbrechung vor allem für Familien mit Kindern werden kann. An der Fassade des gegenüberstehenden Hauses sind nur wenig sichtbare Segmente der ursprünglichen Judensynagoge. Auf der rechten Seite des Ziegenplatzes steht das Svinenská Tor, wohl das Allerschönste aus der ganzen Befestigung. Es hat einen Bogengiebel im Frührenaissancestil und ist von Briefleinsgraffito bedeckt.

Gehen wir weiter in die Rožmberská Straße. In dieser malerischen Gasse überwiegen Barock- und klassizistische Häuser. Es kann wohl einen überraschen, dass früher gerade hier, an der Stelle des heutigen Hotels Myslivna, ein Stadtgefängnis war. Im Haus Nr. 30 rechts ist das älteste Bad belegt, das für seinen Betrieb das Wasser aus dem Goldenen Kanal, der am hinteren Trakt des Hauses entlang floss, verwendete.

Am Ende der Rožmberská Straße geraten wir auf dem Masarykplatz. Wir biegen jedoch zuerst nach rechts – ins Hradecká Tor aus den Jahren 1525–1527.

Třeboň - nasse Auen und Heuhütten, Foto: Archiv Vydavatelství MCU s.r.o. Gleich hinter dem Hradecká Tor fließt der Goldene Kanal, ein kompliziertes wasserwirtschaftliches Werk von Štěpánek Netolický, um die Stadt herum. Der längs der östlichen und nördlichen Stadtbefestigung geflossene Kanal führt das Wasser aus dem Opatovický Teich und den Nassen Auen weg. Ein Spaziergang an seinem Rechtsufer bietet romantische Aussichten einerseits auf die sog. Nassen Auen mit Heuhütten, die die hiesige ursprüngliche Sumpflandschaft illustrieren, sowie andererseits auf die schattigen verstecken Orte der Hintertrakte von Häusern und Brauerei an.

Wir gehen doch in die Gegenrichtung fort – der Kanal schafft hier eine Badkolonnade zwischen den Stadtmauern und der Innenstadt. Hierdurch gelangen wir zum Heilbad von Berta und ferner längs der Befestigung durch das Budweiser Tor zurück in die Innenstadt. Dieses Tor, zusammen mit dem bereits erwähnten Langen Flur aus dem Schloss, wurde durch Dominico Cometta, den wohl wichtigsten Rosenberger Architekt, im Stil der Spätrenaissance erbaut.

Das Kloster und die St.-Ägidius-Kirche

Třeboň - ein Blick auf die Hinterseite der Ägidiuskirche von der Hus-Straße aus, Foto: Archiv Vydavatelství MCU s.r.o. Gleich hinter dem Tor geraten wir neben den Gebäudekomplex des gotischen Augustinianerklosters und der Kirche des St. Ägidius und der Seligen Königin Jungfrau Maria. Das im 1367 gegründete Kloster trug erheblich zur Entwicklung der Bildung und Kunstschöpfung Südböhmens bei. Berühmt wurden die gotischen Tafelgemälde eines unbekannten Künstlers, der als Meister des Altars von Wittingau bezeichnet wird, (heute in der Nationalgalerie in Prag) und die Statue der Madonna von Wittingau.

Die Kirche wurde im frühgotischen Stil erbaut und erfuhr, bis auf den barocken Erweiterungsbau des Turmes und bis auf das Gewölbe des Presbyteriums, fast keine Veränderungen. Seine Besonderheit ist das damals untypische, später doch in den südböhmischen Kirchen häufig sich wiederholende Zweischiff. Inmitten der Kirche blieben die Fresken aus dem 15. Jahrhundert auf den beiden Seiten sowie die Grabsteine einiger Rosenberger erhalten.

Das Kloster ist mit der Kirche mit einem gotischen Kreuzflur vom Norden verbunden. Von außen blieb bis heute eher die barocke Gestalt des Klosters erhalten. Nur ein paar Portale und die St.-Vinzenz-Kapelle (kaple sv. Vincence), ursprünglich Privatkapelle der Rosenberger, datieren im 14. Jh. Der Brunnen inmitten stammt aus dem 17. Jahrhundert.

Bevor wir in die Březanova Straße abbiegen, bemerken wir hinter der Kirche in der Husova Straße zwei Häuser (Nr. 11, Kaffehaus zum Míšků) mit den für den Bauernbarock Südböhmens typischen Giebeln. Die Häuser wirken aber in der Stadtbebauung ziemlich unpassend.

Die Březanova Straße, umrahmt von den gotischen und Renaissance-Bürgerhäusern mit Laubengang, diente früher als eine Verbindungsstrecke zwischen dem Schloss und Kloster. Am interessantesten in der Straße sind das Apotheke-Gebäude (Nr. 118), ein Renaissance-Haus mit der Sgraffitofassade, das Peter Wok von Rosenberg zur Aufbewahrung der Familienbibliothek, der Gemäldegalerie und des Archivs erbauen ließ. Im Erdgeschoss wohnte der Rosenberger Archivar und Historiker Václav Březan, an den die Gedenktafel erinnert. Erwähnenswert ist sicher auch das eckige Haus im Spätrenaissancestil, das sog. Vratislavhaus (Nr. 84).

Der Stadtplatz

Třeboň - eine Sicht vom Turm des alten Rathauses auf dem Marktplatz stellt inmitten des Wittingauer Beckens eine nette Abwechslung dar, Foto: Archiv Vydavatelství MCU s.r.o. Gehen wir aus der Březanova Straße, gelangen wir an die westliche Seite des Masarykplatzes, gleich gegenüber dem Schlosstor mit dem Rosenberger Wappen. Seinen lang gestreckten Charakter verdankt der „Ring“ seinem ursprünglichen Zwecke – nämlich dem Marktplatz, um den herum nach und nach weitere Bürgerwohnbauten wuchsen. Auf jeder Seite ist so der Platz von je dreizehn Bürgerhäusern auf den lang gestreckten gotischen Parzellen umrahmt, die ihre Giebel im hierorts so typischen gotischen und Renaissancestil haben.

Gleich rechts stehen zwei Häuser (Nr. 106 und 107) des Hotels Zlatá hvězda (Goldener Stern). Diese sind mit drei illusorisch neubarocken Giebeln verbunden, die den Eindruck schaffen, dass es da drei Gebäude sind. Das Haus Nr. 107 verfügt über einen restaurierten ursprünglichen Laubengang und verzierte Kreuz- sowie Kufengewölbe.

Třeboň - Informations- und Kulturzentrum der Stadt Třeboň, Foto: Archiv Vydavatelství MCU s.r.o. Bestimmt gleich auf den ersten Blick fesselt ferner der dominante viergeschossige Turm mit Umgang (Mai bis Oktober von 10.00 – 17.00 Uhr geöffnet (je nach dem Wetter – Schlüssel im Informations- und Kulturzentrum); Tel.: +420 384 721 169; www.itrebon.cz), der dank seiner Höhe von 31 m eine herrliche Aussicht über die weite Umgebung bietet. Der Turm wurde 1638 hinzugebaut, und zwar mit Beihilfe des Kaisers Ferdinand III. als ein Bestandteil des alten Rathauses, das im Jahr 1562 an der Stelle der zwei durch einen Brand vernichteten Häuser aufgebaut wurde.

Zusammen mit dem Rathaus in seinem hinteren Trakt wurde damals ein Bürgerbräu erbaut. Dieses wurde jedoch bei einem Brand zerstört und später ins städtische Theater, feierlich geöffnet im 1833, umgebaut. Heute trägt es den Namen des böhmischen Dramatiker Josef Kajetán Tyl, der sich in Třeboň kurz aufhielt (1852, 1856). In dem benachbarten Laubengang sitzt das hiesige Informations- und Kulturzentrum von Třeboň (Informační a kulturní středisko Třeboně), das den Stadtbesuchern touristische Dienste aller Art anbietet.

Von den auf der Gegenseite des Stadtplatzes stehenden Häusern dominiert das Hotel Bílý koníček (Weißes Pferdchen) im Unterteil des Stadtplatzes. Seine Fassade belegt die erste Nutzung des Renaissancestils in der Stadt – die Überschrift auf dem Pfeiler des Laubenganges ist mit dem Jahre 1544 datiert. Außergewöhnlich ist der Giebel mit Gesims, Giebelzinne und Schießscharten in Form eines Schlüssels. Vor kurzem gaben die Mauern des Hauses ein neues Geheimnis preis – eine Büste der Gemahlin von Johann von Rosenberg Elisa, die wahrscheinlich in der königlichen Parlerhütte geschaffen wurde. Neben dem Hotel vom Stadtplatz her zur Kirche führt eine schmale malerische Gasse, in der früher die Fleischbank war.

Inmitten der Nordseite des Stadtplatzes fesselt die Aufmerksamkeit das Haus Nr. 89 mit den bis jetzt erhalten gebliebenen gotischen Elementen und Renaissance- Gewölben im Erdgeschoss. In diesem Haus lebte ursprünglich Štěpánek Netolický. Heute wird das Haus als Trauzimmer der Stadt benutzt.

Auf dem Stadtplatz steht ein Steinbrunnen im Renaissancestil mit Reliefen der antiken Köpfe und eine barocke Mariensäule mit klassizistischen Merkmalen, ein Werk des Budweiser Bildhauers Leopold Hueber. Einen riesigen Spaß macht den Kindern das Fangen der Fische, die durch die Fischer in den Brunnen ausgesetzt werden.

Zwischen dem Hotel Zlatá hvězda und Kaufhaus Bílý beránek (Weißes Lamm, dieses diente noch vor kurzem als Vorbild fürs geignete Anbringen moderner Gebäude zum alten Aufbau) gibt es eine Fußgängerpassage vom Stadtplatz her zurück zum Ziegenplatz. Wenn wir uns auf die Besichtigung der Brauerei oder auf den Teichdamm von Svět machen wollen, gehen wir diese Richtung und durch das bereits erwähnte Svinenská Tor. Uns öffnet sich ein kleiner Ring genannt als Trocnovské náměstí. Dort stand als ein Bestandteil der Befestigung ein tiefer Graben mit einer provisorischen Holzbrücke, die beide Tore verbunden hatte – nämlich das Svinenská Tor hinter unserem Rücken mit dem älteren Gratzener Tor. Heute ist der Graben verschüttet und vom Ring aus führt ein Tor in den Schlosshof und gegenüber in die Brauerei.

Die Brauerei Regent

Třeboň - unterhalb der Brauerei, in einem ursprünglichen zur Befestigung anliegenden Wall, weiden heute Mufflons, Foto: Archiv Vydavatelství MCU s.r.o. Die älteste schriftliche Erwähnung davon stammt bereits aus dem Jahre 1379. Dadurch zählt sie sich zu den ältesten auf der Welt. Sie fungiert bis heute. Das Bier braut sich mit traditioneller Technologie und zu dessen Produktion werden immer noch die Naturrohmaterialien ausgenutzt.

Ihre Gebäude wurden Anfang des 18. Jahrhunderts von einem Rosenberger Waffenhaus nach dem Entwurf des Schwarzenberger Baumeisters Baltasaar de Maggi umgebaut. Nur ein paar Schritte von der Brauerei nach Süden gelangen wir zum Teichdamm von Svět, am zweitgrößten Wittingauer Teich, von hier aus führt eine schöne und schattige Allee bis zur Schwarzenberger Gruft, entfernt ca. 1,5 km. Von dort aus ist eine herrliche Aussicht auf den ganzen Svět in seiner vollen Breite. Drüben unter dem Damm gibt es eine Aufzuchtbatterie der jungen Karpfen in den Karpfenteichen der Fischerei Třeboň (Rybářství Třeboň).

Auf dem Damm, direkt am Gratzener Tor, gibt es einen kleinen Landungsplatz mit einer Barkasse, die Ausflügler zur „Fahrt über den Teich Svět“ bringt. (vom April bis Oktober alle ganzen Stunden täglich geöffnet, von 10.00 – 19.00 Uhr, bei schlechtem Wetter läuft das Schiff nicht aus; Tel.: +420 723 814 045)

Die Schwarzenberger Gruft

Třeboň - Schwarzenberger Gruft, Foto: Archiv Vydavatelství MCU s.r.o. Die Endstation in unserem Spaziergang ist die Schwarzenberger Gruft, deren Besuch man bestimmt nicht versäumen sollte. Es handelt sich um einen aus architektonischer Sicht gut überlegten neugotischen Bau. Man kann die Kapelle mit dem ungewöhnlicherweise nach Süden orientierten Altar sowie die Krypta darunter, wo die sterblichen Überreste der Mitglieder des Schwarzenberger Adelsgeschlechtes in 26 Särgen aufbewahrt sind, besichtigen. Die Gruftkapelle wird in der Gegenwart zu kulturellen Zwecken genutzt, es werden dort vor allem Konzerte veranstaltet.

Als Ende des 19. Jahrhunderts die Familiengrabstätte der Schwarzenberger in der Ägidiuskirche aus Platz- wie auch hygienischen Gründen nicht mehr genügte, entschloss sich die Fürstin Eleonore, die Ehefrau von Johann Adolf II. Schwarzenberg, einen würdevollen Ruheplatz für gestorbene Mitglieder des Adelsgeschlechtes zu errichten. Das Anlegen des englischen Parks mit der Gruft am Ufer des Teiches Svět war überhaupt nicht einfach: der Platz musste zuerst entwässert werden, weil er sich unterhalb des Terrainniveaus befand. Deswegen wurde ein kompliziertes Entwässerungssystem aufgebaut, u.a. ein zwei Meter tiefer Kanal, der das Wasser vom Bau abführte und ihn zugleich belüftete. Der Bau der Gruft wurde von dem fürstlichen Baumeister Karel Kühnel geführt. Das Bauwerk im neugotischen Stil kostete angeblich mehr als 250 000 Gulden und es war im 1877 fertig, d. h. vier Jahre nach dem Tode der Fürstin Eleonore. Interessant ist ja auch, dass die Herzen der Schwarzenberger in speziellen Kassetten in Krumau aufbewahrt wurden.